3 Dates, 3 Ohrfeigen und kein Halleluja
Man hat mir gesagt: Dates!!!!. Ja, Dates!!!!. Auf diese würde man gehen. Vor allem als ungebundenes, anfangzwanziger Mädchen. Und überhaupt in Paris. Das gehöre hier dazu, wie die Serviette zum Apfel, die billigen Oliven zum Bier, die samtenen Ballerinas an die Frauenfüße . So à la: Putain de merde, vive enfin et sors! Oder auch: Lebe endlich = Daten!
Wie so oft schon, habe ich meiner inneren Stimme (Neeeeein, Daten ist nie gut. Enttäuschung! Schmerzen! Das willst du nicht! Dazu hast du keine Lust! ) nicht ausreichend Gehör geschenkt, und mir naiverweise gedacht: Schadet’s nichts – hilfts nichts…nein, umgekehrt: Hilft’s nix, Schodt’s nix. (Österreich!)
Vorhersehbares Fazit: Geholfen hat’s wirklich nichts. Geschadet aber natürlich schon!
Eine Nie-Wieder-Daten-Story.
Er war so falsch, dass er schon wieder gut hätte sein können. Er war von der Uni. Nach dem letzten Kurs fragte er mich nach meiner Emailadresse. „Oldschool“, dachte ich noch, als er schon hinzufügte: „Oder bist du auf Facebook?“ Die ganze Aktion war süß. Er sichtlich erleichtert, als ich ihm die Adresse gab. Am selben Abend schrieb er schon. Erfrischend direkt, dachte ich. Noch.
Wir verabredeten uns. Man ging was trinken. Danach ins Kino. Ich bemerkte erste, vielsagende Blicke seinerseits.
Den Tag darauf, traf ich Cendrine. Ich erzählte ihr, dass es cool war. Ja, er ist cool. Nett. Fast zu nett. Und genau, da war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich die erste geklebt bekam. Nicht feste. Cendrine war alles andere als eine gewaltätige Person. Nur sehr leidenschaftlich und zugegeben, ich hatte es auch verdient. Sie hielt mir nämlich zurecht vor, was ich so alles gesagt und mir herbeigewünscht hatte in den letzten 8 Monaten. Jetzt gäbe es da jemand, der von mir endlich als „gut“ erachtet werde, meinte Cendrine, und was würde ich tun?! Ich würde mich beschweren, dass dieser trop bien / zu gut sei.
Ein gutes Argument war das, musste ich ihr zugestehen. Ich entschied mich also für Date 2. Danach würde ich wissen, war ich mir sicher. Ich wusste nicht. Wobei gleichzeitig mein Gegenüber immer eindeutiger zu wissen schien. Smse. Emails. Tu fais quoi toi?/Was machst du gerade?, verfolgte mich die darauffolgenden Tage. Ich fand das seltsam diese viele, unnötige (im Sinne von nicht zu Koordinationszwecken stattfindende) Kommunikation. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt bzw. nach dieser Aussage müsste dann auch Ohrfeige Nummer 2 von Cendrine passiert sein.
Date 3. Vorabend von Cendrines großer Fête. Konzert, Spaziergang. Händchenhalten. Seufz. Nicht dass ich, was partout dagegen gehabt hätte. Was im Umkehrschluss aber auch nicht automatisch bedeuten muss – ich muss es so böse sagen-, dass ich von der Essentialität dieser Geste restlos überzeugt war. Und jetzt muss ich sowieso ganz viele Details auslassen. Zum Beispiel, die Sache mit der Frage nach der Neuseelandreise. Oder das nicht enden wollende Küssen am Boulevard Sébastopol. Wobei ich viel lieber mehr darüber erfahren hätte, wo da genau die Prostituierten aufzufinden sind.
Zu Cendrines Fête bin ich also alleine gegangen, wie Sie sich denken können. Bei der Begrüßung bekam ich die 3. und vorläufig letzte Ohrfeige. Während Cendrine gleich mehrmals an diesem Abend nicht verstand, warum ich den jungen Herrn nicht mehr datete, fragten mich noch 3 weitere Personen nach dem Verbleiben meines copain/meines Freundes. Ich weiß noch, wie ich einst darüber lachte, als man mir erzählte, in Frankreich müsste man dahingehend vorsichtig sein. Aber das Lachen ist mir spätestens jetzt vergangen, und so werde auch ich nun folgendes Klischee als wunderbare, kulturell differente Halbwahrheit mit mir hinfort tragen:
Küsse einen Franzosen, und du bist mit ihm zusammen.
P.S.:
Die alternative Moral von der Geschicht’: Daten, das tust du lieber nicht! Und schon gar nicht mich.
Nicht nur, weil sich das ohnehin schon als eine komplexere Angelegenheit darstellen könnte, sondern vor allem auch weil ich Bitch dann später drüber schreiben werde (siehe hier).
Aber wenigstens bin ich keine phony Bitch. Das tröstet mich ein wenig. Denn das (!) sind die Schlimmsten!
Juni 10, 2009 at 11:12
oh. küssen = zusammen? dann bin ich also ende diesen monats zehn jahren mit pierre zusammen? du bist doch grad in paris, und pierre lebt dort. bitte sag ihm, dass es nur eine affaire war und ich ihn zucker fand, aber nun einen anderen freund habe, seit rund 7 jahren, oui? merci.
Juni 10, 2009 at 11:39
pas de probleme, mademoiselle! ich kenne ihn sogar, glaube ich. kann das sein, dass er jetzt mit paula aus wien salsa tanzt? die übrigens ganz nebenbei, für ihn ihren freund in der donaustadt verlassen hat.. ja, hier gehts zu wie in schlechten sophie marceau filmen! (that reminds me… später was dazu schreiben muss.) will sagen: mach ich natürlich gerne!