L’Art moche – Die hässliche Kunst
Ich werde bald ausziehen. Vielmehr zurückziehen. Daher muss radikal minimiert werden. Besitz ist was für angepasste Lulus! Also für mich. Ich halte mich aber bis jetzt ganz gut. Es wird Vieles zurückgelassen werden. Etwas blöd, ich muss es sagen, war es heute daher schon von mir ein weiteres Buch zu kaufen. Histoire de l’art von Gombrich. Ich konnte nicht widerstehen. Gebraucht, 5 Euro, Graphiken. Ich will halt über Kunst mehr wissen, dachte ich. Oder zumindest mehr Wissen darüber besitzen! Das ist ja schon mal ein Anfang, und außerdem stand in der Schlange dieser große, verwuschelte Anzugträger. Aber das, nur nebenbei!
In die Introduction habe ich übrigens schon reingelesen. Der Autor sagt, Kunst hätte niemals eine wirkliche Existenz, es gäbe nur Künstler. Ich dachte, das fängt – ohne jegliche Ironie wohl gemerkt – richtig gut an, vor allem aber weil ich das verwendete Französisch auch weiterhin recht gut verstehen sollte. Da erinnerte ich mich wieder an dieses nie gestartete Projekt, dass einst in einer Pariser Bier relevanten Laune angedacht wurde. Ich hatte damals in erster übermütiger Begeisterung schon fast Layouter und Grafiker für Webseite, Logo und Lesezeichen engagiert. Der vorläufige Arbeitstitel wäre auch geboren gewesen, „Livres pour tous“, und dann das: Eine Googlesuche zerstörte unsere Neukünstlerinnenambitionen, bevor wir überhaupt richtig ordentlich scheitern hätten können. Wir waren nämlich Jahre zu langsam. Unsere Idee, Bücher, die wir nicht mehr brauchen, zunächst in Paris an dazu symbolisch passenden Orten mit Inschrift zu platzieren und daraus ein lawinenkettenartiges, internationales Projekt ins Leben zu rufen, war nicht nur von vorgestern wie mein ungeöffnetes Zwiebelnetz im Regal. Nein, mindestens so von Jahre Schnee wie Patrick Nuo.
Wobei:
Und: Patrick Nuo gab es erst 2003. Unnützes Wissen, the earth says hello. Wir hätten jedenfalls einen besseren Namen für das Ding gehabt, sage ich jetzt einfach so!
Dennoch, die Lust, etwas Kunst im Alltag zu schaffen, wollte nicht weichen. Ich dachte mir deswegen, Hässliches braucht die Welt – zum Ranpinnen an den Kühlschrank oder zum effizientieren Saubermachen in Verbindung mit Mini-Kehrschaufeln- und habe also 6 Ansichtskarten aus meiner ehemaligen Sammlung verschickt!
Richtiger: Das klobige, viertelgefüllte Album voller Pariser Scheußlichkeit kann erstens nicht mit, und zweitens hatte ich noch 6 Briefmarken übrig.
Liebe genötigte Menschen, liebe Ugly-Art-Empfänger, freuen Sie sich ein bisschen bei Erhalt!
Dass Sie unter diesen hart umkämpften Top 6 waren (d.h. zumindest schon mal, dass ich eine exakte Adresse von Ihnen besaß) und dass Sie somit ein wertvolles Stück von Paris’ hässlichsten Souvenirkartenindustrieerzeugnissen Ihr Eigen nennen dürfen. Drücken Sie sich ruhig die Daumen. In den nächsten Tagen darf damit in Ihren Briefkästen gerechnet werden.
Der aufmerksame Leser bemerkt übrigens nur 4 Abbildungen. Es stimmt. 2 Motive fehlen.Vielleicht können die zukünftigen Eigentümer, der nicht abgebildeten Karten, kurz in den Kommentaren schildern, was sich auf den Ihrigen befand. Ich hab es zugegebenermaßen vergessen. Aber auch die anderen sind wie immer herzlich eingeladen, ein Wörtchen über diese Zwangskunstbeglückung zu verlieren. Das hätte nämlich sowas schön Partizipatives an sich. Mit Sender-Message-Empfänger und Geglückte Kommunikation.
Wer braucht schon Bücher?! Wir haben Karten, wir haben Kunst. Wir haben wieder Situationismus!
Avezvousdukunst? - Ja! L’Art pour nous! L’Art pour vous! L’Art pour tous!
(P.S.: Don’t be afraid, Baby. It’s only Avezvousdupain. Und bald eh vorbei.)




Juni 24, 2009 at 01:33
ach ja, seit gestern bin ich ehrenvolle besitzerin einer grandiosen hundekarte :) merci!!