Archiv für September 2008

Leben im bordel

September 30, 2008

Ma chère pomme,

wie wir bereits diskutierten, kann die erstaunliche Schreibfrequenz auf dieser Kladde nur mit mangelndem Leben in Zusammenhang gebracht werde. Dementsprechend fröhnte ich an diesem Wochenende dem Leben und genoss den Besuch meiner werten Unschuld vom Lande. Denn nicht nur Ihr, meine Liebe, empfangt hohe Gäste in eurem neuen französischem Heim! Doch statt etwa auf diese Idee zu kommen, unterstellt ihr mir stattdessen einen Intensivkurs der französischen Sprache (und ja, ich sage mit Absicht nicht: „einen Intensivkurs in Französisch“!).

Außerdem ging es in unserer Bleibe an diesem Wochenende drunter und drüber. So fand doch ein fliegender Wechsel zwischen alten und neuen Bewohnern statt. Auch der Vermieter war an diesem Wochenende zugegen und ich muss zugeben, dass er mir sogar Inspiration für unser Wort des Tages lieferte. Denn als er unsere Wohnung im Umzugszustand als ein „vrai bordel“ bezeichnete, war mir das doch Anlass genug, dieses Wort einmal nachzuschlagen, um die unangenehme Übersetzung abzuschütteln, welche sich mir als erste aufdrängte…

Wort des Tages – bordel (m)

Bezeichnung für Chaos, Sauhaufen, Saustall

Mit lieblichsten Grüßen aus dem bordel

MadeMoiSeule

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Ma Sociologie á Paris

September 30, 2008

Es war mir eine Ehre, Madame.

Marimont-Küchensessions in der Residence Victor Lyon, horizontale Samstag Nachmittage vorm Eiffelturm, Falafel in Marais, Pasta in Montmatre, Bordeaux im 3. Arrondissment, Café in der Rue Lepic, Pont Neuf, Stylepolice beim Louvre, gemeinsame Panflöten-Aversionen,
reichlich Baguette-Kaffee-Vino-Konversationen und Musique! Wie die von Housse de Racket.

Kommen Sie bald wieder vorbei!

Intensivkurs B (eziehung)

September 29, 2008

Ma Chère,

Ich weiß ja, warum ich in den vergangenen drei Tagen blog-enthaltsam war. (Ich hatte hohen Besuch aus Wien.) Warum aber auch Sie es verabsäumten, ein bisschen Unser-Täglich-Brot zu publizieren, kann ich nur vermuten. Es hat aber bestimmt rein gar nichts mit Ihrem superfranzösischen, superschnuckeligen und vor allem superneuen Mitbewohner zu tun.
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La Viennoise (Demi)

September 26, 2008
La Viennoise (Demi)

La Viennoise (Demi)

Sieh mal ! Die seltsam sprechende Bonzin aus’m 4ten hält schon wieder Brot aus’m Fenster und fotografiert es mit der anderen Pranke!

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Sprachdschungel

September 25, 2008

Meine werte Birne,

wie sie sicher gemerkt haben, habe ich mich sehr gefreut, gestern den Wohlklang eurer Stimme vernommen zu haben. Nicht, dass ich nicht viel Deutsch hier hören würde – jeder zweite hier scheint Deutscher zu sein – aber das kann wohl kaum dem zarten Niederösterreichisch aus eurem Munde Konkurrenz machen.

Ich hoffe doch, dass ich die erste war, die euch auf dem neuen Handy angerufen hat? Sollte dem nicht so sein, so lügt einfach, Gurke, allein schon, um mich glücklich zu machen.

Bezüglich der von euch angesprochenen Sprachbarrieren möchte ich gern ein paar meiner Lieblingsversprecher anführen. Gott sei Dank ist mir noch keiner davon wirklich wiederfahren, jedoch muss ich jedesmal überlegen, bevor ich eines der entsprechen Worte benutzen:

  • ganz oben auf meiner Liste steht natürlich das berühmte „cheveux“ (Haare) versus „chevaux“ (Pferde). Ich seh mich schon in einer Situation, wo ich jemandem beschreibe, dass ich pinke Pferde habe.
  • Ein weiterer Klassiker, diesmal jedoch ein weit peinlicherer: „allumettes“ (Streichhölzer) versus „allumeuse“ (Schlampe). Auch dies schon äußerst lebhaft in meiner Phantasie: „Könnten Sie mir bitte die Schlampen reichen?“
  • Ebefalls schön: „espèce“ (Bargeld) versus „espace“ (Weltraum). „Ich zahle bitte per Weltraum!“

Übrigens möchte ich euch gern vorschlagen, in unsere Depesche noch ein „Wort des Tages aufzunehmen“. Et voilà:

Wort des Tages – pétasse:

Kommt meines Wissens nach vor allem aus dem Quebecois und bedeutet so viel wie „Schlampe“, bzw. ein Mädchen, dass etwas blöd und daher leicht zu haben ist.

Wie sie sehen – von mir lernt man nur die wichtigen Worte!

Grosses Bises

MadeMoiSeule

Immer das gleiche Brot Part II

September 25, 2008

Wie schon im vorigen Artikel beschrieben, stoße ich auch hier auf viel Altbekanntes. So habe ich in den letzten Tagen festgestellt, dass

  1. die Unimühlen auch in Frankreich langsam mahlen
  2. Inkompotenz eine Voraussetzung ist, um in administrativen Jobs zu arbeiten
  3. man auf der Post wohl überall auf der Welt stundenlang wartet
  4. Jonglieren ein absoluter Ökosport ist
  5. und die Klischees über Psychologen in jedem Land die gleichen sind

1. Anfang der Woche habe ich es endlich geschafft, mich einzuschreiben. Die ganze Prozedur, bei der eigentlich nur ein Formular ausgefüllt und dann der Ausweis ausgestellt werden muss, dauerte eine geschlagene Stunde. Dabei wurde mein Ausweis 3mal neu gemacht, weil jedesmal irgendein Fehler vorlag.

2. Kurz nachdem ich das Einschreibungsbüro verlassen hatte, erhielt ich eine E-Mail, dass ich noch einmal vorbeikommen solle, weil ein Fehler in meinen Unterlagen vorläge. Mir wurde heute also wieder ein neuer Ausweis ausgestellt, was diesmal in rasend schnellen 30 Minuten erledigt werden konnte.

3. Heute war ich zum ersten Mal auf der Post, um eine Handvoll Briefe aufzugeben. In ordentlicher deutscher Manier habe ich mich also angestellt und brav gewartet und gewartet, wobei jedoch keine wirklich Schlange zu bestehen schien. Es stellte sich also heraus, dass man doch tatsächlich eine Nummer ziehen muss und dann an den Schalter aufgerufen wird. Geschätzte Warte- und Bearbeitungszeit alles in allem circa 30 Minuten.

4. Heute war ich zum ersten Mal im Unisport – jonglieren. Ich war wie immer zu früh dran und habe gewartet und nach und nach gesellten sich ein paar Jungs zu mir, einer verfilzter als der andere. Jeder musste ein wenig suchen, um seine entsprechende Sporthalle zu finden, jedoch kristallisierte sich für den Beobachter sehr schnell heraus, wer wo hingehörte: drahtige, kletterschuhschwingende Mädels in die graue Turnhalle, durchtrainierte Jungs zum Basketball und alles was sich auf einer Skala von Öko bis Clown bewegte zum Jonglieren.

5. Eines meiner Lieblingspsychologenklischees ist ja die Frage „Und, analysierst du mich jetzt?“, die mir ca. von jedem 2. gestellt wird. So natürlich auch hier. Während ich am Anfang diese Frage gar nicht verstand, weil ich die Vokabeln nicht kannte, so beantworte ich sie schon jetzt mit demselben müden Grinsen, wie ich es in Wien tue.

Fazit: Egal wo man ist – immer das gleich Brot.

La Campagne Noix

September 24, 2008

Sie sehen hier meinen bisherigen Favoriten unter den Broten: La Campagne Noix. Eigentlich handelt es sich dabei um ein Nussbrot, aber davon darf man sich wahrlich nicht zu viel erwarten. Prinzipiell ist es ein Baguette, in dem sich ungefähr zwei Nüsse befinden. Jedoch für nur 1,35€ ein echtes Schnäppchen aus dem Bioregal.

Geschmack: 4

Nährwert: 2

Haltbarkeit: spätestens nach zwei Tagen sollte ein Waffenschein für das komplett vertrocknete „Brot“ beantragt werden

Aussehen: 9 !!!