Archive for the ‘Depesche’ category

Schwanger mit Schnupfen

Oktober 21, 2008

Ma Beloved,

Ich sage es nochmal: Wie ich mich freue, über Ihre gute Nachricht! Auch wenn, ich Ihre Gunst jetzt ohne Frage teilen muss. Aber das soll mal schön mein Problem bleiben und deshalb:“ Hinfort mit Ihnen, in Ihre Sprach-Flitterwochen, Sie haben sich das mehr als verdient!“

Während Sie sich aufregenden One-to-One-Beschäftigungen widmen, bin ich wieder mal krank, wie ich Ihnen schon am Telefon kurz erzählte. Schuld daran ist nur Ikea, was aber eine längere und eklige Geschichte ist, wie Sie schon erfahren durften. Ich musste ja auch unbedingt einen Topf haben!
Egal. Da ich ja ungefähr die Hälfte meines Lebens mit Kranksein verbringe, kann ich dem Ganzen mittlerweile auch Positives abgewinnen. Mein täglicher Spaziergang zur Apotheke zum Beispiel. Denn ja, ich muss es Ihnen und den Lesern nochmals sagen, ich bin in meinem Land der Hypochondrie angekommen. Es gibt hier in Paris, und ähnlich ist es wohl auch in Strasbourg wie Sie meinten, kaum Straßen, in denen sich nicht mindestens zwei Pharmacies befinden.
Heute hab ich mir was gegen Schnupfen geholt und dabei wurde mir natürlich wieder die Frage gestellt, ob ich schwanger wäre. Bei aller Adoleszenz in mir, finde ich es dennoch erschreckend, dass ich daraufhin jedes Mal los lachen muss. Es liegt aber nicht an der Frage prinzipiell, behaupte ich. Natürlich will die gelernte Apothekerin wissen, was sie einem verschreiben darf und was eben nicht, aufgrund eines Braten in der Röhre. Ich glaube, ich musste einzig und allein lachen, weil ich da sofort an mein Unverhältnis zu GV denken muss und allein die Möglichkeit dieser Frage mein Lachzentrum überstrapaziert und zum Zerbersten bringt.

Jedenfalls bin ich schon fast wieder nasenatemfrei.

Mein Satz des Tages: J’ai seulement du rhume, je ne suis pas enceinte.“
Was auf Deutsch heißt: „Ich hab nur Schnupfen, ich bin nicht schwanger.“

In frenetischer Begeisterung ob Ihres nun offiziell existenten Liebeslebens,
ihre Miss F

P.S.: Die Blogstatistik ist zum Fürchten. Ich arbeite aber schon emsig an Brot-Photografien mit Text!

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französische Schmetterlinge

Oktober 21, 2008

Mein wertes Radieschen,

ich bitte Sie in aller Form, meine ewige Abwesenheit auf unserer Kladde zu entschuldigen. Ich gebe zu, mich in letzter Zeit recht rar gemacht zu haben. Doch wie Ihr ja wisst, verbringe ich zugegebenermaßen praktisch jeden Abend am Telefon. Und wenn ich das nicht tue, so arbeite ich fleißig an der Rekrutierung meines persönlichen Sprachtrainers – was tut man nicht alles zur Verbesserung der Sprachkenntnisse… Und, glaubt mir – ich teile Euch nichts lieber mit als die folgende Neuigkeit – meine Bemühungen waren erfolgreich! Deswegen werde ich nun auch schon wieder gehen, meine Liebe und dieses Textbruchstück so lassen müssen, wie es ist, denn ich vermag nicht, länger als 10 Minuten sitzen zu bleiben, jegliche Anstrengung vergeblich.

Wort des Tages: apercevoir

bedeutet „bemerken“. Mutet vielleicht unkreativ an, ist es aber nicht. Lasst eurer Phantasie freien Lauf beim Erspinnen von passenden Gründen und Geschichten.

Mit Umarmungen, Grüßen und Küssen

MadeMoiSeule

Bettina, Goethe, Iwo

Oktober 7, 2008

Liebste Crème Brulée,

Ich danke dir vielmals für diese überaus liebenswürdige Depesche.
Und ja! Strasbourg ist du, und du bist Strasbourg!
Ich bin bekanntlich noch nicht Paris, aber – wer hätte das geahnt – auch nicht mehr wirklich Wien. Die geschätzten Städte sind mir wie 2 fragwürdige Paar Hosen geworden.
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Vorfreuden?

Oktober 5, 2008

Ma framboise,

jedesmal bevor ich auf unsere liebliche Kladde blicke, bin ich voller Erwartung, ob Ihr etwas geschrieben habt. Jedesmal, wenn ich dann eure Zeilen lese, erstreckt sich ein wohlwollendes Grinsen über mein Gesicht – sei es, weil ich Gleiches durchlebe und deswegen genau weiß, wovon ihr sprecht, sei es, weil ich von euren Geschichten entzückt bin, sei es, weil ich mit euch fühle in jedem Schritt, jedem Atemzug. Dieses Gefühl, es hat etwas Magisches: Aus welchem Grund auch immer es auch diesmal sein mag, eure Texte berühren mich doch jedesmal.

Als Kind hört man so oft, dass Vorfreude die schönste Freude sei. Als ob das kindgerecht wäre! Welches Kind ergötzt sich wohl an Vorfreude? Und genau wie ein Kind, dass seine Weihnachtsgeschenke schon im Dezember heimlich im elterlichen Schlafzimmer sucht, habe ich eure Texte “ vorgelesen“ im  Verzeichnis, in dem die Entwürfe abgelegt sind. Und genau wie das Kind mit den Geschenken habe ich auch hier meine Lektion gelernt. Die Lektion, dass man auf manche Dinge einfach warten sollte, bis sie da sind, bis es Zeit ist, bis sie reif sind. Nicht etwa, dass ich Versionen las, die der Veröffentlichung noch nicht wert waren, aber ich verdarb mir doch das Gefühl der Vorfreude, des Kribbeln. Genauso wie das Kind, so möchte ich behaupten, habe ich hier eine Lektion fürs Leben gelernt: Ich habe gelernt, dass Dinge eben ihre Zeit haben und brauchen.

Und dieses Gefühl begleitet mich auch, wenn ich euren letzten Text lese, ma courgette. Gut Ding will Weile haben. Ihr werdet ankommen. Es wird ein Wind durch eure wilden Locken streifen, der der eure ist. Es wird eine Sprache aus eurem Munde kommen, die die eure ist. Ihr werdet durch die Stadt streifen, mit einem Lächeln, das eben nur diese in euch hervorrufen kann.

Meine Liebste, zu heimatlichen Gefühlen denke ich, dass mir „die Heimat“ wahrlich abgeht, ich das Gefühl habe, schon seit Jahren, Jahrzehnten, gegangen zu sein. Doch ich bin angekommen. Ich bin angekommen in einer Stadt, die ich bereits jetzt liebe, in einer Wohngemeinschaft, in der ich jede freie Minute verbringen will, in einer Uni, die mich fordert und zufriedenstellt, in einem Leben, dass mich intellektuell auslastet, mir aber unendlich Raum gibt, Neues zu lernen, mich zu entwickeln.

Meine Liebste, ich sage  mit unendlichem Lächeln auf meinem Gesicht, dass ich angekommen bin, dass ich hier lebe, dass ich glücklich und zufrieden bin, dass ich lachen und lächeln will, dass einfach alles stimmt. Ich sage euch, dass ich Strasbourg bin, dass Strasbourg ich ist – dass wir WIR sind.


Wort des Tages: matière grise (f)

bedeutet soviel wie „graue Zellen“ bzw. Intellekt im Allgemeinen. Kann aber vor allem auch für Personen verwendet werden, wobei es soviel wie „ehrgeizig“ bedeutet und sich (geschichtlich interessant!) tatsächlich auf die intellektuelle Aufrüstung nach dem kalten Krieg bezieht.

Ich schicke euch die besten, lieblichsten, zufriedensten Grüße

MadeMoiSeule

18

Oktober 1, 2008

Mein Erdbeer-Frappée,

Ich komme nicht um hin zu bemerken, dass Sie meiner dezidierten Fragestellung geschickt ausgewichen sind. Völlig zu recht! Auch ich möchte mich hier zu nichts festlegen lassen, was an späterer Stelle natürlich gegen mich verwendet werden würde. Andererseits tendiere ich in der Frage, ob zwischenmenschliches Intensivsprachtraining oder nicht, seit heute in eine klare Richtung. Ja, ich habe jemanden kennengelernt.

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Leben im bordel

September 30, 2008

Ma chère pomme,

wie wir bereits diskutierten, kann die erstaunliche Schreibfrequenz auf dieser Kladde nur mit mangelndem Leben in Zusammenhang gebracht werde. Dementsprechend fröhnte ich an diesem Wochenende dem Leben und genoss den Besuch meiner werten Unschuld vom Lande. Denn nicht nur Ihr, meine Liebe, empfangt hohe Gäste in eurem neuen französischem Heim! Doch statt etwa auf diese Idee zu kommen, unterstellt ihr mir stattdessen einen Intensivkurs der französischen Sprache (und ja, ich sage mit Absicht nicht: „einen Intensivkurs in Französisch“!).

Außerdem ging es in unserer Bleibe an diesem Wochenende drunter und drüber. So fand doch ein fliegender Wechsel zwischen alten und neuen Bewohnern statt. Auch der Vermieter war an diesem Wochenende zugegen und ich muss zugeben, dass er mir sogar Inspiration für unser Wort des Tages lieferte. Denn als er unsere Wohnung im Umzugszustand als ein „vrai bordel“ bezeichnete, war mir das doch Anlass genug, dieses Wort einmal nachzuschlagen, um die unangenehme Übersetzung abzuschütteln, welche sich mir als erste aufdrängte…

Wort des Tages – bordel (m)

Bezeichnung für Chaos, Sauhaufen, Saustall

Mit lieblichsten Grüßen aus dem bordel

MadeMoiSeule

Intensivkurs B (eziehung)

September 29, 2008

Ma Chère,

Ich weiß ja, warum ich in den vergangenen drei Tagen blog-enthaltsam war. (Ich hatte hohen Besuch aus Wien.) Warum aber auch Sie es verabsäumten, ein bisschen Unser-Täglich-Brot zu publizieren, kann ich nur vermuten. Es hat aber bestimmt rein gar nichts mit Ihrem superfranzösischen, superschnuckeligen und vor allem superneuen Mitbewohner zu tun.
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