Archive for the ‘Strasbourg’ category

die fac ist ein bordel

Oktober 1, 2008

Obwohl ich persönlich gar nicht so sehr auf „Auberge espagnol“ stehe, so gibt es doch trotzdem eine total tolle Szene in dem Film, als die kleine Engländerin am Telefon mit französischer Mutter vollkommen entsetzt ist, als diese fragt, ob ihr Sohn „has gone to fac [fuck]“. Eine wirklich göttliche Szene, an die ich jedesmal denken muss, wenn ich das Wort „fac“ (kurz für „faculté“) höre.

Aber nun ja, im Moment halte ich mich nicht besonders oft auf der fac auf, weil der Großteil meiner Kurse erst nächste Woche beginnt oder aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen verschoben wurde. Überhaupt ist mein Stundenplan ein absoluter Dschungel, in dem ich mich selbst kaum auskenne. Anstatt nämlich einzelne Lehrveranstaltungen zu haben, hat man meist mehrere, die miteinander gekoppelt sind.

Also so wie ich mich letzte Woche schon auf eine geregelte Uniwoche gefreut habe, so hoffe ich jetzt, dass das vielleicht nächste Woche mal eintritt…

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Immer das gleiche Brot Part II

September 25, 2008

Wie schon im vorigen Artikel beschrieben, stoße ich auch hier auf viel Altbekanntes. So habe ich in den letzten Tagen festgestellt, dass

  1. die Unimühlen auch in Frankreich langsam mahlen
  2. Inkompotenz eine Voraussetzung ist, um in administrativen Jobs zu arbeiten
  3. man auf der Post wohl überall auf der Welt stundenlang wartet
  4. Jonglieren ein absoluter Ökosport ist
  5. und die Klischees über Psychologen in jedem Land die gleichen sind

1. Anfang der Woche habe ich es endlich geschafft, mich einzuschreiben. Die ganze Prozedur, bei der eigentlich nur ein Formular ausgefüllt und dann der Ausweis ausgestellt werden muss, dauerte eine geschlagene Stunde. Dabei wurde mein Ausweis 3mal neu gemacht, weil jedesmal irgendein Fehler vorlag.

2. Kurz nachdem ich das Einschreibungsbüro verlassen hatte, erhielt ich eine E-Mail, dass ich noch einmal vorbeikommen solle, weil ein Fehler in meinen Unterlagen vorläge. Mir wurde heute also wieder ein neuer Ausweis ausgestellt, was diesmal in rasend schnellen 30 Minuten erledigt werden konnte.

3. Heute war ich zum ersten Mal auf der Post, um eine Handvoll Briefe aufzugeben. In ordentlicher deutscher Manier habe ich mich also angestellt und brav gewartet und gewartet, wobei jedoch keine wirklich Schlange zu bestehen schien. Es stellte sich also heraus, dass man doch tatsächlich eine Nummer ziehen muss und dann an den Schalter aufgerufen wird. Geschätzte Warte- und Bearbeitungszeit alles in allem circa 30 Minuten.

4. Heute war ich zum ersten Mal im Unisport – jonglieren. Ich war wie immer zu früh dran und habe gewartet und nach und nach gesellten sich ein paar Jungs zu mir, einer verfilzter als der andere. Jeder musste ein wenig suchen, um seine entsprechende Sporthalle zu finden, jedoch kristallisierte sich für den Beobachter sehr schnell heraus, wer wo hingehörte: drahtige, kletterschuhschwingende Mädels in die graue Turnhalle, durchtrainierte Jungs zum Basketball und alles was sich auf einer Skala von Öko bis Clown bewegte zum Jonglieren.

5. Eines meiner Lieblingspsychologenklischees ist ja die Frage „Und, analysierst du mich jetzt?“, die mir ca. von jedem 2. gestellt wird. So natürlich auch hier. Während ich am Anfang diese Frage gar nicht verstand, weil ich die Vokabeln nicht kannte, so beantworte ich sie schon jetzt mit demselben müden Grinsen, wie ich es in Wien tue.

Fazit: Egal wo man ist – immer das gleich Brot.

Zwischenwelten

September 21, 2008

Ich habe das Gefühl schon jetzt – dabei bin ich erst eine Woche hier – an der Tür zu einer merkwürdigen Zwischenwelt zu stehen. In dieser Welt wird freilich französisch gesprochen, wenn jedoch auch eine recht kreative Variante, die mit verschiedensten Fehlern gespickt ist und sich durch ein recht unabwechslungsreiches Ausdrucksvermögen kennzeichnet. Interessanterweise wirkt sich diese jedoch auch schon auf mein Deutsch aus und ich übernehme freizügig französische Satzstrukturen.

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Immer das gleiche Brot

September 20, 2008

Es gibt Charaktereigenschaften, die ständigem Wandel unterliegen und die man anpasst, je nachdem wo man gerade ist und unter welchen Umständen.   Andererseits gibt es aber Eigenschaften, die man wohl nie ändern wird  – im folgenden „das gleiche Brot genannt“ – und die einem wohl in die Wiege gelegt sind. Bezüglich dieser Thematik möchte ich gern folgende Episode zum Besten geben:

Heute abend war ich mit den anderen Erasmusstudenten unterwegs „pour prendre un verre“, also um etwas trinken zu gehen. Wir waren in der gleichen Bar in der ich gestern mit meinen Mitbewohnern war. Das mag etwas unkreativ anmuten, aber resultierte doch sogleich in der allgemeinen Annahme, ich kenne mich aus und wüsste was ich tue.  Alors, wir waren also dort, haben viel zu süßes alsassisches Bier getrunken und ich bin kurz nach draußen gegangen, um meine Jacke vom Gepäckträger meines Fahrrads zu holen. Während ich draußen stand, verließ ein Mann die Bar, kramte dabei in seinen Taschen, verlor ein benutztes Taschentuch und ging weiter. Und – hier kommt nun die Pointe dieser kleinen Anekdote – ich konnte mich natürlich nicht davon abhalten, ihn sofort mit einem „Entschuldigung, Monsieur, Sie haben da etwas verloren.“, zu maßregeln. Daraufhin murmelte er etwas unverständliches, aber hob tatsächlich das Taschentuch auf, um es wegzuwerfen.

Für mich bleibt aus dieser Geschichte zu resümieren, dass ich meine kleine Angewohnheit, selbst fremde Leute permanent erziehen zu wollen, wohl niemals ablegen werde. Interessanterweise hielten mich nicht einmal meine zugebenermaßen begrenzten Sprachkenntnisse davon ab, diesem Bedürfnis genüge zu tun.

Was er wohl dachte, als ihn eine kleine, pinkgefärbte Ausländerin frech erziehen wollte?